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Die documenta gilt als eine der bedeutendsten und weltweit am meisten beachteten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Ins Leben gerufen wurde sie 1955 von dem Künstler und Kunsterzieher Arnold Bode in Kassel. Nach den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur sollte sie die deutsche Öffentlichkeit mit der internationalen Moderne und mit der eigenen gescheiterten Aufklärung konfrontieren und versöhnen.
Niemand hätte damals gedacht, dass die Ausstellung, oft als "Museum der 100 Tage" bezeichnet, zu einem beispiellosen Erfolg werden sollte – und doch findet nunmehr im Sommer 2007 die zwölfte documenta statt.
Der singuläre Charakter hat sich erhalten: Es wird alle fünf Jahre eine neue Leiterin, ein neuer Leiter bestimmt und die Ausstellung gleichsam neu erfunden. Ein Konzept, das sich bewährt. Bei der Documenta11 wurden über 650.000 Besucherinnen und Besucher gezählt.
Unter stets wechselnder Regie, und im ebenso gemächlichen wie unerbittlichen Rhythmus von fünf Jahren, ist die documenta zu einem weltweit verbindlichen Seismografen der zeitgenössischen Kunst avanciert: Bei der documenta zeigt sich, ob es der Kunst gelingt, die Welt in Bilder zu fassen und ob diese Bilder für ihr Publikum Gültigkeit haben.
Möchten Sie sich über die Ausstellung der ersten documenta im Jahre 1955 informieren oder noch einmal Documenta11 Revue passieren lassen?
Ab dem 16. Juni 2007 findet in Kassel zum zwölften Mal die weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst statt – die documenta. Auch diesmal mit dem durchaus verwegenen Anspruch, das Potenzial des Ausstellungsmachens neu auszuloten und ihr Publikum (ästhetisch) zu bilden. Die künstlerische Leitung der documenta 12, Roger M. Buergel und Ruth Noack, begreift die Ausstellung nicht nur als Schauraum, sondern vor allem als Medium: als einen Möglichkeitsraum, der offen und gestaltbar ist und den sich Kunst und Publikum miteinander teilen. Dabei sind die BesucherInnen dazu eingeladen, Teil zu haben an der Komposition der Ausstellung, den Verbindungen zwischen den Arbeiten nachzugehen und vor allem selbst neue Beziehungen herzustellen.
Die ästhetische Bildung beginnt dabei vielleicht weniger mit dem Aneignen von faktischem Wissen als mit dem Einbringen der eigenen emotionalen und intellektuellen Ressourcen. Dass wir "angesichts der zeitgenössischen Kunst zunächst alle Idioten" sind (Roger M. Buergel), ist, so merkwürdig das klingen mag, vielleicht eine Voraussetzung, um sich auf ästhetische Erfah°©rung einzulassen. Denn die Bedeutung eines Kunstwerks ist nicht gegeben, sie muss immer wieder hergestellt werden in einem potenziell unabschließbaren Prozess, der vielleicht mehr mit Bereitschaft als mit Kennerschaft zu tun hat.
Roger M. Buergel ist künstlerischer Leiter der documenta 12
Künstlerischer Leiter der documenta 12 ist Roger M. Buergel, ein international tätiger Ausstellungsmacher und Kurator, der 1962 in Berlin geboren wurde. Mit der Kunsthistorikerin Ruth Noack als Kuratorin wird er, dem Anspruch der documenta gemäß, Kunst aus den verschiedenen Weltregionen und aller erdenklicher Medien zeigen. Dabei sollen die Werke nicht bezugslos aneinandergereiht, sondern zueinander ins Verhältnis gesetzt werden.
Die Leitmotive: drei Fragen an die Kunst und ihr Publikum
Um einen solchen produktiven Austausch anzustoßen, stellt die documenta 12 der Kunst, aber auch ihrem Publikum, Fragen: Ist die Menschheit imstande, über alle Differenzen hinweg, einen gemeinsamen Horizont zu erkennen? Ist die Kunst das Medium dieser Erkenntnis? Was ist zu tun, was haben wir zu lernen, um der Globalisierung seelisch und intellektuell gerecht zu werden? Ist das eine Frage ästhetischer Bildung? Was macht das Leben eigentlich aus, wenn man all das abzieht, was nicht wesentlich zum Leben gehört? Hilft uns die Kunst auf die Sprünge, um zum Wesentlichen zu gelangen?